Der Auto-Führerschein genügt künftig zum Führen kleiner Motorräder – allerdings benötigt man dafür eine ausführliche Schulung. Eine eigene Führerscheinprüfung ist nach der neuen, vom Bundesrat durchgewunkenen Verordnung für Maschinen mit einem Hubraum bis 125 Kubikzentimeter und 15 PS nicht mehr nötig.

Die Fahrer müssen aber mindestens 25 Jahre alt sein und seit fünf Jahren einen Führerschein der Klasse B haben. Dann erhalten sie nach neun Unterrichtseinheiten zu je 90 Minuten (vier Theorie und fünf Praxis) die Berechtigung, in Deutschland Leichtkrafträder der Klasse A1 zu fahren.

Was ist zu beachten

Inhaber von Autoführerscheinen dürfen ohne zusätzliche Fahrprüfung Leichtkrafträder fahren, wenn sie mindestens fünf Jahre lang schon ihren Führerschein der Klasse B haben, mindestens 25 Jahre alt sind und mindestens neun Fahrschuleinheiten á 90 Minuten absolviert haben, vier davon in Theorie und fünf in Praxis.

Anschließend ist eine einfache Bescheinigung ausreichend für den Führerschein der Klasse B mit Schlüsselzahl 196. Diese beinhaltet die Erlaubnis, Leichtkrafträder bis 125 Kubik und 15 PS zu führen, die bei voller Leistung nicht leichter als 110 Kilo sein dürfen. Achtung: Dieses Recht gilt nur innerhalb Deutschlands. Fahrten ins Ausland sind nicht erlaubt.

Auch die Klassen AM und A2 sind möglich

Jeder Klasse-B-Mobilist darf schon jetzt Fahrzeuge der Klasse AM (zuvor M) fahren. Darunter fallen die leichten zweirädrigen Kleinkrafträder der Klasse L1e-B ebenso wie dreirädrige Kleinkrafträder der Klasse L2e und vierrädrige Leichtkraftfahrzeuge der Klasse L6e. Deren Gemeinsamkeiten: Eine Höchstgeschwindigkeit von maximal 45 km/h, ein Hubraum von höchstens 50 cm³ (bei Fremdzündungsmotoren) oder 500 cm³ (bei Selbstzündungsmotoren) und eine Leistung von maximal vier kW (5,5 PS).

Wer vor dem 1. April 1980 einen Führerschein der Klasse 3 erworben hat und diesen bis heute ohne zwischenzeitlichen Entzug noch besitzt, hat weitere Privilegien: Er kann seit April 2013 auch Motorräder bis 48 PS fahren. Einzige Voraussetzung ist eine 40-minütige praktische Motorradfahrprüfung. In der Praxis wird aber kaum eine Fahrschule ihren Schüler ohne die ein oder andere Fahrstunde zur Prüfung vorstellen. Ist diese Hürde aber genommen, dürfen mit der erworbenen A2-Lizenz Motorräder bis 35 kW (48 PS) mit einem Leistungsgewicht von maximal 0,2 kW/kg bewegt werden. Nach zwei Jahren mit dem Führerschein A2 kann der Aufstieg in die unbegrenzte A-Klasse angegangen werden. Auch hierzu ist wieder nur eine praktische Prüfung vorgesehen.

Viele Modelle lassen sich nachträglich drosseln

Die Motorradhersteller haben auf die damalige Neuerung reagiert und zusätzliche Modelle ins Programm genommen, die den gesetzlichen 48-PS-Vorgaben entsprechen. Eine weitere Möglichkeit: Bestandsmodelle können per Drosselung auf die neuen Regeln angepasst werden. In der EU-Richtlinie heißt es aber, dass solche Bikes nur um die Hälfte ihrer Ausgangsleistung beraubt werden dürfen, um zur Klasse A2 zugelassen zu sein. Das bedeutet, dass nach EU-Recht nur Motorräder mit maximal 70 kW (95 PS) für diese Drosselung in Frage kommen. Deutschland hat diesen Passus aber nicht übernommen. Hierzulande darf also jedes 48-PS-konforme Modelle gedrosselt werden, egal welche Leistung es ursprünglich gehabt hat. Bei Fahrten ins Ausland kann ein „falsch“ gedrosseltes Fahrzeug möglicherweise ein Problem wegen Fahrens ohne den korrekten Führerschein darstellen.

 

Kritik an Scheuers Vorschlag

Der Initiative von Verkehrsminister Andreas Scheuer hatte für massive Kritik gesorgt. „Ich halte das für keine besonders glückliche Idee. Dadurch kann es zu noch mehr Unfällen kommen“, sagte Florian Reifferscheid von der Bundesvereinigung der Arbeitsgemeinschaften der Notärzte Deutschlands (BAND).

Autofahrer seien nicht geübt darin, mit der Energie eines Motorrads umzugehen. „Jedem, der Motorrad fahren will, empfehle ich einen richtigen Motorradführerschein“, sagte Reifferscheid. Man müsse lernen, wie das Motorrad bei besonderen Bedingungen wie einer nassen Fahrbahn oder bei Rollsplit reagiere. Denn das Risiko sei hoch: „Wir sehen immer wieder schwere Unfälle mit Motorrädern, weil im Gegensatz zum Auto die Knautschzone fehlt.“

Experten halten Leichtkrafträder für gefährlichste Fahrzeugklasse

Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) hatte Scheuers Vorstoß ebenso scharf kritisiert. Diese Leichtkrafträder könnten schneller als 100 Kilometer pro Stunde fahren und seien nach den besonders stark motorisierten Motorrädern die gefährlichste Fahrzeugklasse in der Unfallstatistik, schrieben die Experten in einer Stellungnahme.

Im Jahr 2017 starben laut Statistischem Bundesamt 66 Fahrer solcher Leichtkrafträder bei Unfällen. A1-Motorräder hätten bei den „Hauptverursachern von Unfällen mit Personenschaden den traurigen Platz 2“ belegt, schrieb der DVR.

Eine Sprecherin des DVR sagte nun nach der Entscheidung zu FOCUS Online: „Das sind keine guten Nachrichten für die Verkehrssicherheit. Die Gefahr besteht, dass viel mehr Menschen ohne Praxis ein Motorrad fahren. Die betroffenen Motorräder sind ja keine kleinen Roller. Die Wahrscheinlichkeit für schwere Unfälle steigt.“.

Auch Fahrlehrer sehen Vorschlag kritisch

In der Schulung sollen in Theorie und Praxis nur „die wesentlichsten Grundlagen“ des Motorradfahrens vermittelt werden. Ziel sei „die Befähigung zum sicheren, verantwortungsvollen und umweltbewussten Führen eines entsprechenden Leichtkraftrades“.

Aus Sicht von Fahrlehrern reicht das nicht. „Das zentrale Problem ist die fehlende fahrerische Kompetenz“, sagte der Vorsitzende der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände (BVF), Dieter Quentin. Schon jetzt sei ein Großteil der Unfälle mit Motorrädern auf Fahrfehler zurückzuführen. Mit der vorgeschlagenen Regelung steige das Risiko, die geplante Schulung sei „völlig unzureichend“.

Unter „Begründung“ heißt es im Entwurf lediglich, die EU gebe den Mitgliedsstaaten die Möglichkeit, Autofahrer auch A1-Motorräder fahren zu lassen – das solle genutzt werden. Das Ministerium verwies am Donnerstag darauf, dass unter anderem Österreich diese Regelung auch schon habe.

 

Quellen:
https://www.focus.de/auto/news/gesetz-nimmt-letzte-huerde-autofahrer-duerfen-ohne-extra-fuehrerschein-motorrad-fahren_id_11483546.html
https://www.auto-motor-und-sport.de/verkehr/fuehrerschein-welche-zweiraeder-autofahrer-fahren-duerfen/

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